Ein etwas anderes Geschichtsbuch von Fritz Dittlbacher
Der promovierte Historiker, Kommunikationswissenschaftler und FH-Prof. für Mathematik muss
eigentlich gar nicht mehr vorgestellt werden. Er ist bestens bekannt als Chefreporter von "Zeit
im Bild", früherer Chefredakteur des ORF und Chefredakteur der "Arbeiterzeitung" (bis zur
Einstellung der Zeitung Ende 1992). Das eben vorgelegte Buch des 1963 geborenen Autors ist
ein inhaltlich interessantes und anregend geschriebenes Buch - was von gar manchen Büchern
historischen Inhalts nicht gesagt werden kann: Nein, es ist keine "Entmythologisierung" der
(im wesentlichen politischen) Geschichte Österreichs in 18 Kapiteln. Aber manches bekommt
doch einen neuen Akzent bzw. ein sinnvoll erweitertes Umfeld.
Die Kapitel ordnen nach historisch
markanten Jahreszahlen und beginnen je mit Zählung sowie einer umfassenden Überschrift.
Diese wird ergänzt durch die Rubrik "Was wir zu wissen glauben" (auffallend diese Kombination!).
Sie liefert eine sehr knappe - quasi epigrammatische - Formulierung des allgemeinen
Kenntnisstandes in Österreich. Der dargestellte Stoff ist teilweise sachlich übergreifend und trotz
der überschaubaren Seitenzahl so umfangreich, dass sogar ein Register zu wünschen wäre.
So verstärkt das Kapitel "996" die Zweifel an Tausend Jahren Österreich, aber auch die Benennung
1136 bzw. 1156 ist doch alt genug!! Und in ""1191" ist es geradezu tröstlich, dass die Flagge von
Österreich nicht ein blutiges Hemd als Anreger hat, sondern aus dem 12. Jahrhundert stammt.
"1486" zeigt dann auch, wie die Heiratspolitik der Habsburger der Familie gesundheitlich schadet.
Das Kapitel über die Reformation (eines der umfangreichsten) "1517" scheint mir besonders
gelungen. Allerdings scheinen Verallgemeinerungen wie "Die Priester der damaligen Zeit arbeiteten
nach dem Prinzip von Angenot und Nachfrage" doch mit Vorsicht betrachtet werden zu müssen.
Und nur zu unterstreichen ist, dass "Der Adel...die Führung bei der Durchsetzung der Reformation"
übernahm; man sollte die dahinter stehende Machtfrage wohl auch nicht zu gering einschätzen.
Viele Hinweise geben wertvolle Informationen, sei es auch nur ganz am Rand. So war mir zum
Beispiel noch nicht bewußt. dass im ominösen jahr 1938 der Währungsschatz der Österreichischen
Nationalbank dreimal so hoch war "wie die Barreserven der Deutschen Reichsbank". Die Reserven
aus Österreich waren benötigt, um den " Aufrüstungs- und Kriegskurs fortzusetzen". Die Wirren
nach dem Zweiten Weltkrieg führen dann auf - teilweise - verschlungenen Pfaden zur (Wieder-)
Gründung der Republik.
Insgesamt geleitet das Buch von (meist) Deutschen im Südosten des Reiches über das Kaisertum
zu einer zunächst ungeliebten Republik nach 1918 bzw. 1945, deren Bürger sich aber inzwischen
deutlich als Österreicher in Europa verstehen.