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DIAGONALE SCHWEIGT NICHT
Mi, 25.03.2026
Es sei "kein besseres Feld geworden, aber auch kein schlechteres", meint der Bauer, der den Acker bewirtschaftet, unter dem 180 ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter begraben sind, die in den letzten Kriegstagen 1945 in Rechnitz erschossen wurden. "Die Pflanzen wissen nichts davon. Sie bringen ihre Frucht, und die Jahre gehen dahin."
TOTSCHWEIGEN heißt der Dokumentarfilm aus dem Jahre 1994 von Margareta Heinrich und Eduard Erne. Fünfundvierzig Jahre nach dem Fall des eisernen Vorhanges wird immer noch nach dem Massengrab gesucht. Aber die Mauer des Schweigens konnte bis heute nicht durchbrochen werden. Auch wenn viele zu viel reden. Aber keiner hat was zu sagen, geschweige denn gesehen. Fast könnte man meinen alles sei eine Chimäre, wüsste man nicht, dass diese furchtbare Tat wirklich passiert sei.
Vier Jahre dokumentieren und interviewen die Autoren die noch lebenden, möglichen Zeitzeugen in Rechnitz – ohne Erfolg. Die Gebeine von ca. 180 erschossenen Zwangsarbeiter bleiben unauffindbar. Bis heute ins Jahr 2026 keine Spur. Die Umgebung um die Ruine des Kreuzstadels, wo man das Massengrab vermutete, ist wahrscheinlich die beste archäologisch und geophysikalisch untersuchte Fläche Österreichs. Alle paar Jahre wurden und werden Grabungen durchgeführt – bisher erfolglos. Österreich hat wie in vielen Fällen zu spät nach Tätern zu suchen begonnen. Gewartet bis fast alle Zeugen verstorben. Doch was wäre, wenn man die Toten wirklich eines Tages fände?
Wie kann man Menschliche Überreste, die ineinander verkeilt, einfach in eine Grube geworfen wurden, bergen? Ohne die Würde und Religion zu verletzen? Als Blockbergung auf einen jüdischen Friedhof überführen oder ein Grabmal darüber bauen und sie ruhen lassen? Die Auffindung würde mehr Fragen als Antworten geben …
©: Foto Lukas-Stepanik
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