DIAGONALE DOKUMENTIERT: WAX & GOLD Mo, 23.03.2026
Eine ganze Welt in einem Hotel. Irgendwo in Afrika. Ruth Beckermann die Grande Dame des Dokumentarfilms hat sich auf die Suche gemacht, um einen Kindheitstraum zu folgen und ist im Hilton Addis Abeba in Äthiopien gelandet. Dieses einstige Luxushotel wurde im November 1969 von Kaiser Haile Selassie erbaut und sollte ein Baustein für einen Weg in ein modernes Afrika sein.

Aber Wax & Gold ist keine Geschichte über ein Hotel oder über den letzten Herrscher. Nein, es ist eine Sammlung von Impressionen über die Menschen in diesem Hotel. Ein gewisser roter Faden für Beckermann stellt das in den 80ern erfolgreiche Buch "König der Könige" des polnischen Journalisten Ryszard Kapuściński über Selassies Regierungssystem dar. Der Filmtitel Wax & Gold referenziert dabei auf eine literarische Technik in Äthiopien, das Gegenteil von dem zu sagen, was man eigentlich meint. Oft weiß auch der Zuschauer nicht was gemeint ist und der Film braucht die Bereitschaft sich hineinfallen zu lassen in die bunte Welt eines internationalen Hotels. Aber nicht alle sind Gäste hier. Großteils wird es von der einheimischen Mittelschicht als Treffpunkt genutzt.

Es hat eine stabile Internetverbindung und ein Strom Aggregat, welches bei den häufigen Stromausfällen in der Stadt häufig anspringt. In Wien würde man sagen es ist Treffpunkt wie ein Caféhaus. Auch Beckermann trifft hier verschiede Menschen – verabredet und zufällig. Sie unterhält sich mit dem Personal, lädt Studenten ein in Amharisch, der am häufigsten gesprochene Landessprache, Texte über die Geschichte Äthiopiens zu lesen. Zeigt das Geschichte nicht in Archiven und Büchern existiert, sondern in Gesprächen der Menschen, die diese Geschichte weitertragen in eigenen Worten.

Der Film erzählt. Die Kamera beobachtet Ruth Beckermann erzählt aus dem off und manchmal erscheint das Hotel wie die Bühne eines Kammerspiels. Es ist ein hybrides Werk zwischen Dokumentation und Essay. Man kann diesen Film von vielen Seiten betrachten, aber wie auch immer er ist ein Werk von Ruth Beckermann.

©: Ruth Beckmann Filmproduktion, diagonale