Verena Titze (geboren 1985 in Niederösterreich, lebte in Hongkong und Wien) studierte Theater- und Filmwissenschaft
in Berlin und Wien und ist als Kabarettistin, Schriftstellerin, Journalistin und PR-Managerin vielseitig tätig. Die Autorin
legt hier einen ehrlichen und spannenden Roman vor, in dem sie von eigenem Erleben und Erleiden berichtet:
Man spürt die erfahrene Journalistin bei der Arbeit an ihrem Text: Ihre Krise (2020) mit Rausch und Zusammenbruch,
ihre Therapie und Erinnerung. Und dann noch die Wiederholung, wieder kombiniert mit Alkohol und Drogen: Alles inmitten
einer Medienwelt in engem Konnex zu "höheren Kreisen". Der "Passions(!)blumentee" ist vielleicht als Symbol gedacht...
Dabei wird der Alkohol als Problem der Gesamtgesellschaft gezeichnet: Vielleicht eine kleine Überzeichnung?
Lesefreundlich ist der Text in 78 meist kleinere Abschnitte gegliedert, die es erleichtern, die doch ziemlich zahlreichen
Personen (bei zwanzig habe ich aufgehört zu zählen) zu begleiten. Daneben schweift ein knapper Prolog und die Jahreszeiten
Sommer-Herbst-Winter-Frühling (sic!, jeweils mit einem Gedicht eingeleitet) sozusagen um die zentrale Figur des Romans
herum: Das ist Helena die 36jährige höchst erfolgreiche PR-Frau des Rundfunks.
Ihr Leben besteht - quasi am Rande einer Realität - aus Kontakten (positiven oder negativen, teils intensiven), emotionalen
Empfindungen und starken Stimmungen und deren Wandlungen: Und das ganze mit meist halbwegs ihrem Alter entsprechenden
Frauen bzw. Männern, die - meist dringend - sexuell erwünscht sind. Mit Can? Doch: "Den Männern kann man nicht trauen" (85),
die Männer waren "eh alle gleich" (89). Und zwischendrin wird die Erkenntnis formuliert: "Eine Frau muss das Recht haben,
IMMER nein zu sagen" (135).
Gegenseitige Nützlichkeit herrscht vor, die so viel beschworene echte Freundschaft ist Mangelware. Allerdings: Geradezu
eine Freundschaftsgeschichte - quasi im Hintergrund - ist die seit zwanzig Jahren gleichbleibende Freundschaft mit Moni
(zugleich ein literarischer, geradezu ermutigender, Rahmen für das Buch). Das Buch ist aber kein naiver Text sozusagen mit
gutem Ausgang: Helena erreicht immerhin, dass sie an der bisherigen beruflichen Aufgabe weiter arbeiten kann: Doch gibt
es zwei Opfer des Straßenverkehrs, die ihr Leben verlieren (176). Wenn man so will: Ein memento mori...
Ein beeindruckendes, gelungenes Buch!! Realitätsnah, anregend, erschreckend....
Von einer Autorin, die ihren Lesern und Leserinnen für die Buchlektüre dankt!!
Für eine allfällige weitere Auflage möchte ich vorschlagen, ein Personenverzeichnis anzufügen.