JOSEF WURM Fr, 11.09.2026
Josef Wurm verschränkt in seinen Gemälden die Anatomie des menschlichen Körpers mit der Topografie von Landkarten. Die Vermessung der Welt trifft auf die Durchleuchtung des Menschen. Seine Werke sind kritische Gesellschaftsanalysen, die in das Innerste vordringen, in die Eingeweide des menschlichen Zusammenlebens, in die Anatomie sozialer Ordnungen, zu den rudimentären Elementen, die Körper und Schrift konstituieren und dadurch Wirklichkeit festschreiben.

Wurm bricht die Konstruktion von Wirklichkeit auf, nimmt ihre Ordnung auseinander, seziert die Verfasstheit von Gesellschaft und legt sie gleich einem aufgeschlitzten Leib offen. Er belässt es aber nicht bei einer schonungslosen und drastischen Vivisektion, sondern entwickelt durch Variation, Kombination und Permutation neue Konfigurationen. Diese alternativen Kompositionen darf man nicht als Handlungsanweisungen für nonkonformistische Lebensentwürfe oder neue Gesellschaftsordnung missverstehen. In ihnen kommt jedoch die stete Reflexion, der beharrliche Blick unter die Oberfläche und das authentische Begehren, etwas ändern zu wollen, zum Ausdruck, die als Impuls und Auftrag für den Betrachter bzw. die Betrachterin gelten können.

Wurms Werke scheinen etwas zu präfigurieren, das dräuend in der Luft liegt, sich aber noch nicht in Worte fassen lässt.

PR (Kerstin)