Das Turul-Manöver Kapitel 2
Vor einigen Jahren sind der Agentur für Unabkömmlichkeitsbegründungen vier herrenlose Koffer der Gräfin Eva von Klebelsberg, der Nichte des ehemaligen ungarischen Bildungs- und Kulturministers Graf Kuno von Klebelsberg, in die Hände gefallen. Kuno von Klebelsberg diente von 1921 bis 1932 als "diskreter Antisemit" unter dem Reichsverweser Miklós Horthy. Seine Politik der ungarischen Überlegenheit über die umgebenden Staaten wurde von der gerade abgewählten Regierung Orban wieder aufgenommen: vom Klebelsberg Zentrum in Budapest aus werden heute über 120 000 Lehrer und Universitätsangestellte zentral geleitet.
Der Inhalt der vier Koffer der Eva von Klebelsberg - öffentliche und private Korrespondenz, Manuskripte, Laptop, Fotos, Bücher, Rechnungen, Reiseunterlagen, Stammbuch und Adelswappen, - bildet das Ausgangsmaterial des Turul-Manövers: alle Papiere dieses privaten Nachlasses oder Archivs wurden in monatelanger Arbeit zu 5000 Turuls gefaltet, sind also verwandelt und faktisch unlesbar gemacht worden. Rest-Fragmente aus der Familiengeschichte der von Klebelsbergs, deren Stammburg, die Thumburg, sich in Sterzing in Südtirol befindet und gerade käuflich erwerbbar ist, werden mitsamt den Turuls in einer performativen Installation inszeniert, unter Einbeziehung der Geschichte des nationalsozialistischen Südtiroler Zweigs des Adelsgeschlechts.
Die Agentur für Unabkömmlichkeitsbegründungen gibt im Amt für Archiventropie Einblicke in eine hinterfragenswerte adlig-autokratische Familiengeschichte, mit besonderem Augenmerk auf Eva von Klebelsberg, die ihr gesamtes Leben in einer eigentümlichen Geste der Selbstversklavung in den Dienst ihres Onkels Kuno von Klebelsberg gestellt hat.