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Kino in Schwarzweiß
Di, 30.11.1999
Rose – der Eröffnungsfilm der diesjährigen diagonale ist eine Bleistiftzeichnung mit feinen Strichen, durchdacht bis ins letzte Detail. Das ist queeres Kino über eine Frau, die eigentlich kein Mann sein wollte, jedoch in Hosen geschlüpft ist um freier Leben zu können. In einer Gesellschaft, in der sie als Frau allein während des Dreißigjährigen Krieges im 17. Jahrhundert keine Überlebenschancen gehabt hätte.
Rose, die Protagonistin, einmalig dargestellt von Sandra Hüller, hat als Soldat im Krieg gedient und möchte sich nun als vorgegebener Erbe in einem protestantischen Dorf niederlassen.
Der Film wird getragen von der ruhigen Erzählung aus dem off. Nur diese kennt die wahre Geschichte von Rose und ihrer Vergangenheit. Als Mann lebt sie sich ein, in die engstirnige Dorfgemeinschaft, wo Frauen nur als Arbeitskraft und Mütter sichtbar sind. Sie steht ihren Mann, in all seinen Rollen von Mut und Fleiß, doch letztendlich muss sie heiraten. Hier beginnt es schwierig zu werden, obwohl ihre Frau Suzanna aus vorerst unerklärlichen Gründen Mutter wird und Rose somit zum Vater macht. Das Paar hat sich arrangiert, bis eine Verletzung von Rose eine Kettenreaktion auslöst, die letztendlich zur Verurteilung des gleichgeschlechtlichen Paares führt.
Dieser Film ist eine Geschichte, die wahr sein könnte. Markus Schleinzer entwirft basierend auf zahlreichen Aufzeichnungen dieser Zeit das Porträt einer "Weibsperson", die versucht, die Grenzen, die ihr von der Gesellschaft auferlegt wurden zu überwinden. Rose stellt sich Fragen zu ihrer Identität. Fragen zu einer Freiheit, die ihr in einem kleinen Protestantischem Dorf nicht zugestanden werden.
©: Diagonale
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