Aller guten Dinge sind drei... Di, 15.07.2008
Dieses nette Sprichwort pflegte meine Oma häufiger anzubringen und auch mein lieber Chef gibt es regelmäßig breit grinsend von sich, wenn er mir meine Werke zur erneuten Be- und Überarbeitung zurückwirft. Dass diese weit verbreitete und sehr beliebte Bauernweisheit nicht immer das Gelbe von Ei ist, musste meine Wenigkeit kürzlich zur Kenntnis nehmen.

Da das hiesige Wetter im Moment "Tropen" spielt, also abwechselnd heiß und schwül und dann quasi ohne Übergang nass und windig ist, sind Outdoor- Aktivitäten nicht gerade der Renner. Insbesondere der dauernde abendliche Regen ist wenig prickelnd und so wird die Nachteule gerade zur Frühaufsteherin. Wenn man schon abends nichts unternehmen kann, dann muss man es eben morgens tun. Anstatt angenehmer Freiluftclubs – äh, na ja, sofern man noch solche findet, ist ja nicht so einfach – gilt es also derzeit die Brunch- Time zu nutzen.

Ich schwang mich also in der Morgensonne in mein Vierrad und sammelte eine liebe Freundin zum morgentlichen Tratsch mit viel Cafe Latte und Eierspeise ein. Da die Belegschaft unseres Stamm- Frühstückslokals kollektiven Sommerurlaub macht, mussten wir uns ein Ausweichquartier suchen. Also ab auf einen der bekanntesten Plätze Wiens und rein in die Halle, in der sich Kunst und Cafe verbinden.

Nun bin ich grundsätzlich ein großer Fan jener Lokal- Trias, zu der auch das betreffende Cafe gehört. Um ehrlich zu sein, es gab eine Zeit in der ich dank nächstgelegener Wohnung quasi in einem davon wohnte. Frei nach dem Motto "Meine Küche ist drei Strassen weiter…" Und auch die Nr. 2 eignet sich im Sommer blendend als Sammelpunkt für nächtliche Touren. Ich wird zwar nie verstehen, warum dieses gastliche Lokal den eher ungastlichen Namen eines Lagerraums trägt, aber… pardon, ich schweife ab. Also zurück zum Frühstück.

Wir lümmelten uns also in unsere Sitze und harrten der Dinge, die da auf uns zukommen sollten. Oder eher den Dingen, die da an uns vorbeieilen sollten. Es dauerte geraume Zeit, bis wir es schafften uns bei einer Kellnerin bemerkbar zu machen. Die Kaffeebecher sahen nicht gerade ausgesprochen einladend aus, aber der Kaffee war gut. Eher im krassen Gegensatz zu dem, was da noch folgen sollte. Ohne weiter auf Details eingehen zu wollen, sei soviel gesagt: Das Essen meiner Freundin ging – völlig berechtigt – zweimal zurück und mein Teller blieb auch halbvoll. Mein Glas dafür blieb umso leerer, denn das flüssige Beiwerk zu meinem Frühstück musste ich mehrfach urgieren. Dafür kam es dann aber auch doppelt, aber bitte, besser als gar nicht.

Dass diese Umstände das Personal auch nicht dazu bewogen, auch nur ein wenig freundlicher zu sein, trug nicht unbedingt zu einer positiven Grundstimmung bei. Wir verlegten uns also aufs Kaffee trinken und hofften inständig, dass unsere Becher es bis zu uns schaffen würden, denn so einige Tabletts traten in der Zeit unseres Aufenthalts den tiefen Fall in Richtung Erdmittelpunkt an und wurden unsanft durch die Erdkruste gebremst. Irgendwie hatte die ganze Szenerie schon fast etwas Komödiantisches. Allerdings regte sich bei uns beiden langsam der Hunger und da keine von uns ernstlich Lust hatte, noch einen Versuch mit der Küche vor Ort zu starten, machten wir uns auf den Weg an unsere heimischen Feuerstellen. Und wir hoffen inständig, dass auch dieses Lokal es früher oder später auf das Niveau der anderen beiden schafft. Hoffentlich nicht umgekehrt, sonst ist Wien womöglich um gleich drei Szenelokale ärmer…. Ich bin übrigens dankbar für entsprechende Rückmeldung, denn ich selbst werde mit Sicherheit so schnell keinen Test am eigenen Leib mehr starten.